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Zivis berichten - Lebensbedingungen

  • Leo
  • 14. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Archiv: Grüß euch, ich bin der Leopold, 20 Jahre alt, und mache seit Oktober meinen Zivildienst beim Bbanga Project in Uganda. Ich erlebe hier viele neue Dinge, gewöhne mich Schritt für Schritt an ein ganz anderes Leben und frage mich dabei oft:

Wie gut habe ich es eigentlich - selbst hier, am anderen Ende der Welt?


Mein Zuhause in Uganda

Ich wohne in einem kleinen Hotelzimmer, ungefähr 15 m² groß. Kein Luxus, aber für mich völlig in Ordnung. Ich habe ein eigenes Bad, ein eigenes WC, meist fließendes Wasser (wenn auch kein Trinkwasser) und meistens auch Strom.Das klingt jetzt vielleicht nach sehr einfachen Bedingungen - ist es auch. Und trotzdem weiß ich: Verglichen mit dem, wie viele Menschen hier leben, bin ich extrem privilegiert.


Was hier für mich wirklich herausfordernd ist, ist die ständige Lautstärke. Musik läuft immer. Und überall. Morgens. Mittags. Nachts. Aus Lautsprechern, aus Bars, von der Straße.

Rücksicht? Fehlanzeige. Zur Ruhe zu kommen ist schwer. Zum Glück gewöhnt man sich schnell daran. Manchmal ist es auch von Vorteil, wenn man selbst keine Rücksicht auf andere nehmen muss.


Mein Zimmer
Mein Zimmer
Ein Blick auf die Realität vor meiner Tür

Während ich mich über zu viel Lärm oder schwankenden Wasserdruck beschwere, sehe ich draußen Menschen, die unter Bedingungen leben, die wir uns in Österreich kaum vorstellen können: kleine Holzhütten mit Wellblechdach, ohne Isolation, oft ohne Strom. Wenn es regnet, hört man nicht nur den Regen, man fühlt ihn. Der Wind pfeift durch die Ritzen, die Wände vibrieren. Oft schlafen mehrere Personen auf wenigen Quadratmetern. Privatsphäre? Gibt es nicht.


In meinem Zimmer, das ich allein bewohne, könnte hier problemlos eine sechsköpfige Familie untergebracht sein. Diese Vorstellung allein macht demütig. Und was dabei oft übersehen wird: Wer so eng aufwächst, hat keine Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Kein eigenes Eck, kein Rückzugsort, um in Ruhe zu lesen, zu lernen, nachzudenken. Man ist ständig dem Umfeld ausgesetzt, auch den schlechten Gewohnheiten, dem Lärm, dem Stress.

Das beeinflusst, wie man denkt, wie man fühlt und wie man lebt.


Mein Bad
Mein Bad
Dankbarkeit mit jedem Tag

Ich bin froh, dass ich mich jeden Abend in ein eigenes Bett legen kann. Dass ich eine Türe hinter mir schließen kann. Dass ich mir keine Sorgen machen muss, ob das Dach beim nächsten Regen undicht wird. All das klingt selbstverständlich, aber hier ist es das nicht.


Und auch wenn mein Zivildienst mit Herausforderungen verbunden ist, habe ich hier eine Perspektive, die vielen verwehrt bleibt. Ich darf helfen, ich darf gestalten und ich darf danach wieder zurück in ein Land, das mir Sicherheit, Ruhe und Möglichkeiten bietet...


In einem Dorf der Ssese Inseln
In einem Dorf der Ssese Inseln

Zum Nachdenken


Seit ich hier bin, wird mir jeden Tag bewusster, wie gut es mir eigentlich geht, auch unter einfacheren Bedingungen. Diese Erfahrung verändert meinen Blick. Und ich hoffe, dass ich sie nie wieder vergesse. Ich hoffe, in Zukunft meinen Beitrag leisten zu können, damit es anderen ebenso gut geht wie mir.


Bis bald,

Leopold



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