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Zivis berichten - Rassismus in Uganda

„Ihr weißen Österreicher könnt keinen Rassismus erfahren.“


Diesen Satz hörte ich in einem Meeting, das zur Vorbereitung auf meinen Auslandsdienst diente. Dreißig junge Männer und Frauen saßen in diesem Vortrag, und nur die wenigsten konnten der Aussage des Trainers zustimmen. Wie kann es keinen Rassismus gegen weiße Österreicher geben, wenn genau das jetzt in Südafrika passiert, oder Donald Trump das zumindest behauptet?


Ich werde im folgenden Text meine heutige Meinung und meine Erfahrungen zu diesem Thema mit euch teilen, nach mittlerweile acht Monaten Leben in Uganda.


Doch bevor ich darauf eingehen kann, müssen wir erst einmal definieren, was Rassismus überhaupt ist. Rassismus ist die systematische Diskriminierung, Ausgrenzung und Abwertung von Menschen, die sich beispielsweise durch ihre Hautfarbe, Herkunft oder Religion unterscheiden. Und die Betonung liegt hierbei auf systematisch!


„Niemand wird mit Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren.“Nelson Mandela


„Weiße sind reich“, „Jeder will eine weiße Freundin haben“, „Ich würde mir wünschen, dass ich weiß bin“ - das sind nur einige Sätze, die ich während meiner Zeit in Uganda von Freund*innen und Bekannten gehört habe. Besonders getroffen hat mich die Aussage eines zwölfjährigen Jungen, dass er gerne weiß wäre. Wie viele Österreicher*innen würden dasselbe über Dunkelhäutigkeit sagen?


Aber das ist nicht das Einzige, was ich im Zusammenhang mit Rassismus erlebt habe. Es hat mich ehrlich überrascht, wie viele rassistische Kommentare ich von Freund*innen und Bekannten über Uganda bekommen habe:„Nimm genug Wasser mit!“„DIE leben doch alle nur in Hütten, oder?“„Was, der Leopold hat sich in UGANDA im Krankenhaus operieren lassen?!“


Einige Aussagen waren wohl „lustig“ gemeint, doch sie zeigen, wie verzerrt und abwertend viele das Bild von Uganda sehen. Ja, es gibt Menschen, die kein sauberes Trinkwasser haben. Ja, manche leben in einfachen Hütten. Und ja, die medizinische Versorgung am Land ist oft unzureichend. Aber solche pauschalen Aussagen sind herabwürdigend. Niemand würde so über Österreich sprechen oder solche Witze machen.


„Rassismus beginnt im Kopf und endet in der Tat.“ Unbekannt


Einen letzten Punkt möchte ich ansprechen, bevor ich mein persönliches Fazit ziehe:Wenn man in einem fremden Land ist, nimmt man an, anders als die lokale Bevölkerung behandelt zu werden. Und genau das trifft zu, nur, dass ich meistens nicht benachteiligt, sondern bevorzugt werde. Sei es der beste Platz im Bus, das zuerst servierte Essen im Restaurant oder Gespräche mit wichtigen Persönlichkeiten, die lieber mit mir als mit meinen ugandischen Kolleg*innen geführt werden.


Ein Beispiel, das dieses Problem gut veranschaulicht, habe ich ganz am Anfang meines Auslandsdienstes erlebt: Leopold und ich waren seit zwei Wochen in Uganda und wurden zu einer Veranstaltung einer anderen NGO eingeladen. Arthur, ein langjähriger ugandischer Mitarbeiter unseres Projekts, begleitete uns. Leider kamen wir sehr spät, fast am Ende der Veranstaltung. Trotzdem waren zwei Plätze in der ersten Reihe für uns freigehalten. Arthur, der sich seit Jahren für die Community einsetzt und die Bbanga Farm leitete, musste hinten stehen. Wir zwei Weißen saßen, trotz Verspätung, ganz vorne.


Ich denke, diese Beispiele zeigen, warum der Satz „Ihr weißen Österreicher könnt keinen Rassismus erfahren“ in einem systematischen Sinne wahr ist.Deshalb appelliere ich an alle: Überlegt euch gut, welche Aussagen oder Witze wirklich angebracht sind und welche nicht.


Damit ein zwölfjähriger Junge stolz darauf sein kann, schwarz zu sein.


„Es gibt nur eine Rasse – die Menschheit.“Rosa Parks






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